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ENDOMETRIOSE | Wenn Regelschmerzen Deinen Alltag bestimmen

Starke Regelschmerzen sind nicht einfach „normal“. Wenn Du Dich jeden Monat mit Schmerzen durch den Tag quälst, Termine absagen musst, nicht arbeiten kannst oder Dich während Deiner Periode am liebsten nur noch ins Bett legen möchtest, steckt möglicherweise mehr dahinter. 

Eine mögliche Ursache ist Endometriose.

Die Erkrankung ist weit verbreitet und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Trotzdem vergehen zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnose bei vielen Betroffenen noch immer Jahre. Dabei gibt es heute verschiedene Möglichkeiten, Endometriose zu behandeln und die Beschwerden zu lindern. 

Wir von der Witzleben Apotheke möchten Dir erklären, was Endometriose eigentlich ist, welche Symptome typisch sind und was Du selbst tun kannst, um besser mit der Erkrankung zu leben. 

endometriose frau sitzt am fenster

Was ist Endometriose? 

Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Solche Herde können beispielsweise im kleinen Becken, an den Eierstöcken, am Bauchfell oder in der Nähe von Darm und Blase vorkommen. 

Diese Gewebeherde reagieren auf die hormonellen Veränderungen des Menstruationszyklus. Dadurch können Entzündungsreaktionen entstehen. Im weiteren Verlauf können sich unter anderem Narbengewebe, Verwachsungen oder Endometriosezysten entwickeln. 

Die Entstehung der Erkrankung ist komplex. Hormone, Entzündungsprozesse, das Immunsystem, genetische Faktoren und die individuelle Schmerzverarbeitung spielen vermutlich zusammen. Eine einzige Ursache lässt sich bislang nicht benennen. 

Das ist eben so?

Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Endometriose betont deshalb einen individuellen und gemeinsamen Entscheidungsprozess zwischen Betroffenen und behandelnden Fachpersonen.  LINK

Starke Regelschmerzen sind kein notwendiger Bestandteil des Frauseins 

Vielleicht hast Du selbst schon einmal gehört: 

„Das ist bei einer Periode eben so.“ 

Oder:

„Meine Schwester hat auch immer starke Schmerzen.“ 

Oder vielleicht hast Du Dir selbst gesagt: 

„Ich muss da einfach durch.“ 

Natürlich kann eine Menstruation unangenehm sein. Krämpfe und Schmerzen kommen häufig vor. Wenn Deine Beschwerden aber so stark sind, dass sie Deinen Alltag regelmäßig einschränken, lohnt sich eine ärztliche Abklärung. 

Denn Endometriose kann sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen

Typisch sind zum Beispiel: 

  • besonders starke Regelschmerzen 
  • wiederkehrende Unterbauch- oder Beckenschmerzen 
  • Schmerzen beim oder nach dem Geschlechtsverkehr 
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen, insbesondere während der Periode 
  • starke oder unregelmäßige Blutungen 
  • Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder Übelkeit 
  • ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung 
  • Schmerzen, die auch außerhalb der Menstruation auftreten 
  • unerfüllter Kinderwunsch 

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Die Stärke der Schmerzen lässt nicht zuverlässig darauf schließen, wie ausgeprägt die Endometriose ist. 

Du kannst also starke Schmerzen haben, obwohl vergleichsweise wenige Endometrioseherde festgestellt werden und umgekehrt. 

Warum wird Endometriose häufig so spät erkannt? 

Endometriose kann sich sehr unterschiedlich äußern. Viele Symptome überschneiden sich außerdem mit anderen Erkrankungen. 

Hinzu kommt, dass Menstruationsbeschwerden gesellschaftlich lange verharmlost wurden. Wer seit der Jugend starke Schmerzen hat, gewöhnt sich möglicherweise daran und betrachtet sie irgendwann als persönlichen Normalzustand. 

Genau hier möchten wir Dir Mut machen: 

Du musst Schmerzen nicht einfach aushalten, nur weil Du sie schon lange kennst. 

Wenn Du regelmäßig aufgrund Deiner Periode Schule, Studium, Arbeit, Sport oder soziale Aktivitäten absagen musst, sprich darüber mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Frauenarzt. 

Die Diagnose beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und der Betrachtung Deiner individuellen Beschwerden. Je nach Situation können gynäkologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall eingesetzt werden. Die aktuelle Leitlinie berücksichtigt dabei unterschiedliche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten.  

Endometriose betrifft nicht nur den Unterbauch 

Endometriose ist mehr als eine Erkrankung, die „während der Periode ein bisschen wehtut“. 

Chronische Schmerzen können Schlaf, Stimmung, Leistungsfähigkeit und soziale Aktivitäten beeinflussen. Auch Partnerschaft und Sexualität können betroffen sein. 

Manche Betroffene erleben außerdem eine dauerhafte Erschöpfung. Wenn der Körper über längere Zeit mit Schmerzen und Entzündungsprozessen beschäftigt ist, kann das unglaublich viel Energie kosten. 

Deshalb sollte bei der Behandlung nicht nur der einzelne Schmerz im Mittelpunkt stehen. Entscheidend ist vielmehr die Frage: 

Wie können wir Deine Lebensqualität langfristig verbessern? 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? 

Eine Endometriose lässt sich derzeit nicht mit einer einzigen Therapie für alle Betroffenen behandeln. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Deinen Beschwerden, Deinem Alter, Deinem Kinderwunsch und Deiner persönlichen Situation ab. 

Zum Behandlungsspektrum können beispielsweise gehören: 

  • Schmerztherapie 
  • hormonelle Behandlung 
  • operative Entfernung von Endometrioseherden 
  • Physiotherapie 
  • Bewegung und körperliche Aktivität 
  • Maßnahmen zur Stress- und Schmerzbewältigung 
  • psychologische oder psychosomatische Unterstützung 
  • weitere individuell abgestimmte Maßnahmen 

Häufig ist nicht eine einzelne Maßnahme entscheidend, sondern das Zusammenspiel verschiedener Bausteine. 

Gerade bei chronischen Schmerzen kann ein sogenannter multimodaler Ansatz sinnvoll sein. Dabei werden unterschiedliche Therapieformen miteinander kombiniert.  

Was kannst Du selbst im Alltag tun? 

Auch wenn Selbsthilfe keine medizinische Behandlung ersetzt, gibt es einige Dinge, die Dir den Umgang mit Deinen Beschwerden erleichtern können. 

Wärme 

Eine Wärmflasche, ein Heizkissen oder ein warmes Bad kann bei krampfartigen Beschwerden als angenehm empfunden werden. 

Bewegung 

Wenn es Dir möglich ist, kann regelmäßige Bewegung ein sinnvoller Bestandteil des Umgangs mit chronischen Schmerzen sein. Dabei geht es nicht darum, während einer Schmerzattacke unbedingt Sport treiben zu müssen. 

Ein Spaziergang, leichtes Yoga, Radfahren oder andere moderate Aktivitäten können für manche Menschen angenehmer sein als intensives Training. 

Schlaf und Erholung 

Chronische Schmerzen und schlechter Schlaf können sich gegenseitig verstärken. Ausreichend Erholung ist deshalb kein Luxus, sondern ein wichtiger Bestandteil Deiner Gesundheitsfürsorge. 

Zyklustagebuch

Ein kleines Tagebuch kann erstaunlich hilfreich sein. 

Notiere beispielsweise: 

  • Wann treten die Schmerzen auf? 
  • Wie stark sind sie? 
  • Wie lange halten sie an? 
  • Gibt es Beschwerden beim Stuhlgang oder Wasserlassen? 
  • Wie stark ist die Blutung? 
  • Wie beeinflussen die Beschwerden Deinen Alltag? 
  • Welche Medikamente oder anderen Maßnahmen helfen Dir? 

Diese Informationen können auch beim nächsten Arzttermin wertvoll sein.

Welche Rolle kann die Apotheke spielen?

Als Apotheke sind wir natürlich kein Ersatz für die gynäkologische Diagnostik oder eine ärztliche Therapie. 

Aber wir können Dich auf Deinem Weg begleiten. 

Gerade wenn Du mehrere Medikamente einnimmst, kann eine pharmazeutische Beratung sinnvoll sein. Wir können beispielsweise gemeinsam auf Dosierung, Einnahmezeitpunkte, mögliche Wechselwirkungen und die richtige Anwendung achten. 

Auch bei Schmerzmitteln ist es wichtig, nicht einfach nach dem Motto „viel hilft viel“ vorzugehen. Eine häufige oder langfristige Einnahme sollte immer kritisch betrachtet und bei Bedarf ärztlich begleitet werden. 

Und manchmal ist die wichtigste Frage überhaupt: 

„Ist das, was ich gerade erlebe, eigentlich noch normal?“ 

Wenn Du unsicher bist, sprich uns an.  

Cannabinoide bei Endometriose – eine mögliche therapiebegleitende Option?

Cannabinoide bei Endometriose – eine mögliche therapiebegleitende Option? 

In den vergangenen Jahren ist auch das Interesse an Cannabinoiden wie THC und CBD bei chronischen Schmerzen und Endometriose deutlich gestiegen. 

Der wissenschaftliche Hintergrund ist interessant: Unser Körper verfügt über ein eigenes Endocannabinoid-System, das unter anderem an der Schmerzverarbeitung beteiligt ist. Deshalb wird untersucht, ob Cannabinoide bestimmte Prozesse der Schmerzregulation beeinflussen können. 

Für Endometriose gibt es inzwischen mehrere Beobachtungsstudien und Übersichtsarbeiten. Betroffene berichten darin unter anderem über eine mögliche Verbesserung von Schmerzen, Schlaf und weiteren Beschwerden. Gleichzeitig ist die Aussagekraft dieser Untersuchungen begrenzt: Ein großer Teil der bisherigen Daten stammt aus Befragungen und Beobachtungsstudien. Hochwertige randomisierte klinische Studien speziell zur Endometriose sind weiterhin rar.   

LINK zu neuen Studien

Moderne Behandlungsmöglichkeiten mit CBD

Auch für CBD gibt es wissenschaftlich interessante Ansätze. Forschende untersuchen unter anderem mögliche Wechselwirkungen mit Signalwegen, die bei Schmerz und Entzündung eine Rolle spielen. Das bedeutet jedoch nicht, dass CBD bereits als etablierte Endometriose-Therapie angesehen werden kann.  

Deshalb sehen wir Cannabinoide nicht als „Wundermittel“ und schon gar nicht als Ersatz für eine notwendige gynäkologische Behandlung. 

Unter ärztlicher Begleitung können Cannabinoide im Einzelfall jedoch eine therapiebegleitende Option darstellen, insbesondere dann, wenn chronische Schmerzen trotz etablierter Behandlung weiterhin eine große Belastung darstellen. 

Wichtig ist dabei eine individuelle pharmazeutische und ärztliche Beratung. Cannabinoide können Nebenwirkungen haben und mit anderen Arzneimitteln wechselwirken. Auch die Auswahl des Wirkstoffs, die Dosierung und die Darreichungsform spielen eine Rolle. 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von THC gehören unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit sowie eine Beeinträchtigung von Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Darüber hinaus können insbesondere bei höheren Dosierungen gelegentlich Angstgefühle, innere Unruhe oder Herzklopfen auftreten. 

CBD gilt insgesamt als gut verträglich, kann jedoch ebenfalls Müdigkeit verursachen. Außerdem werden gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder verminderter Appetit beschrieben. 

Auch mögliche Wechselwirkungen sollten berücksichtigt werden. Cannabinoide können die Wirkung anderer zentral dämpfender Arzneimittel, beispielsweise bestimmter Schlafmittel, Beruhigungsmittel oder opioidhaltiger Schmerzmittel, verstärken. Insbesondere CBD kann zudem den Abbau verschiedener Medikamente über Enzymsysteme der Leber beeinflussen. Dadurch können sich Wirkungen und Nebenwirkungen anderer Arzneimittel verändern. Eine sorgfältige Prüfung der gesamten Medikation ist daher sinnvoll.

Die derzeitige Studienlage spricht daher vor allem für weitere Forschung und für eine sorgfältige, individuelle Betrachtung jedes einzelnen Falls.  

Du bist nicht „zu empfindlich“ 

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die wir Dir mitgeben möchten: 

Wenn Deine Regelschmerzen Dein Leben bestimmen, musst Du Dich dafür nicht rechtfertigen. 

Du bist nicht zu empfindlich. 

Du stellst Dich nicht an. 

Und Du musst Dich auch nicht jeden Monat einfach durchkämpfen. 

Endometriose ist eine komplexe chronische Erkrankung. Aber Du bist ihr nicht hilflos ausgeliefert. Eine individuell abgestimmte Behandlung kann dazu beitragen, Beschwerden zu reduzieren und Deine Lebensqualität zu verbessern. 

Wenn Du Fragen zu Deinen Medikamenten, Schmerzmitteln oder möglichen therapiebegleitenden Möglichkeiten hast, sprich uns gerne in der Witzleben Apotheke an. 

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